1. internationales Rennofen- und Schmiede-Symposium
am Sachsenhof in Greven
Der Heimatvereines Greven 1982, e.V (Mitglied von EXAR) betreibt seit 1987 in Greven den Sachsenhof, eine Rekonstruktion einer frühmittelalterlichen sächsischen Hofstelle.
Ziel der Anlage ist es, der Bevölkerung das Leben und das Umfeld der Menschen in der damaligen Zeit nahe zu bringen. Ein Teil dieses Projektes ist es ebenfalls, sich mit experimenteller Archäologie zu befassen. Unter anderem werden seit vielen Jahren Versuche zur Rennofentechnik durchgeführt. Hierüber wurde bei der letzten EXAR-Tagung in Wien berichtet (siehe Vortrag).
Bei dieser Tagung in Wien kam in der Diskussion mit Kollegen der Wunsch auf, gemeinsam Versuche zur Rennofen-Technik durch zu führen und mit Vorträgen zu diesem Thema unser gemeinsames Wissen zu vergrößern.
Wir planten daher, das 1. internationales Rennofen- und Schmiede-Symposium am Sachsenhof in Greven durchzuführen. Dieses ist dann vom 18.-19. September 2004 veranstaltet worden. Es haben sieben verschiedene Gruppen aus Europa teilgenommen.
Plan war es, dass jede Gruppe ihren Rennofentyp benutzt und mit derselben Holzkohle und demselben Raseneisenerz die Versuche durchführt. Im Anschluss daran sollten die gewonnenen Luppen auf Schmiedbarkeit geprüft werden.
Wir erhoffen uns, durch diese Versuche weitere Kenntnisse über dieses Verfahren zu gewinnen. Es ist weiterhin geplant, einen Erfahrungsbericht über diese Tagung zu schreiben, der dann auch im Jahresbericht veröffentlicht werden soll. Für die Teilnehmer sollte die Mitarbeit kostenfrei sein.
Teilnehmerliste:
Nando Nava,, Frankreich
Frederic van der Haeghen, Stephan Boulangier
Germanisches Gehöft Elsarn, Österreich
Gerhard Putzgruber, Helmut Müller, Erich Grassl
Openlucht Museum Eindhoven, Niederlande
Karin de Vries, Daniel Houver, Hans van Roon, Henk Klinkhammer, Serge van Troost, Albert de Witt, Joost Vink
Alfred Bullermann, Deutschland
Konrad Meier, Yuri Skov
Matthias Zwissler, Roman Landes, Deutschland
Torsten Helmerking, Ute Knötig, Deutschland
Freilichtmuseum Sachsenhof, Deutschland
Bernhard Reepen, Arne Reepen, Carlo Waltermann, Matthias Brink, Andreas Siebert, Ludger Alfing, Hermann-Josef Drexler
Jan Henrik Berger, Jens Eichler ( Schmiede), Deutschland
Frank Verse, Seminar für Ur- und Frühgeschichte Uni Münster, Deutschland
Peter Elgass (Hephaistos), Deutschland
Die guten Geister vom Sachsenhof in Greven
Ulrike Reepen, Birte Reepen, Maria Brink, Johanna Brink, Mechthild Alfing, Sofia Fibi, Liesel Drexler
Programm:
15. bis 17. September: Aufbau der Rennöfen
17. September 2004 ab 20 Uhr
Vorträge:
1. Archäologische Parameter zu experimentellen Rennofenversuchen
Frank Verse M.A. Seminar für Ur u. Frühgeschichte Uni Münster
2. Faszination Eisen ,ein Erfahrungsbericht
Helmut Müller, Freilichtmuseum Germanisches Gehöft Elsarn
3. Erfahrungen zu Rennofenversuchen am Sachsenhof Greven
Bernhard Reepen, Freilichtmuseum Sachsenhof, Greven
4. Schmiede im Moor-Raseneisenerz und Torf incl. Film: Alfred betreibt einen Rennofen (Die Sendung mit der Maus),
Alfred Bullermann, Friesoythe
18. September 2004
Betrieb der Rennöfen
Vorträge: ab 20 Uhr
1. Erfahrungen mit transportablen Rennöfen
Thorsten Helmerking
2. "INAGINA - the last house of iron" Rennöfen in Afrika ( Film)
von Eric Huysecom und Bernhard Augustino.
19. September 2004
Betrieb der Rennöfen und Schmieden
Gemeinsame Abschlussdiskussion der Teilnehmer ab 14 Uhr
Berichte der Teilnehmer
vom „Germanischen Gehöft“ in Elsarn
Bericht zum Rennofen Symposium am Sachsenhof 2004
Wir:
Gerhard Putzgruber
Helmut Müller
Erich Grasl
kamen nach einer 10 stündiger Fahrt in Greven an. Nach einem guten Frühstück begannen wir mit dem Bau unseres Rennofens (9. bis 14. Jahrhundert – archäologischer Befund aus Unterpullendorf, Burgenland in Österreich). Er war ca. 1m hoch, hatte einen inneren Durchmesser von ca. 30 cm und eine Düse die gegenüber der Ofenbrust angebracht war.
Wir hatten schon einige Schmelzöfen dieser Art gebaut, deshalb ging die Arbeit zügig voran. Und so stand unser Ofen – Ferromax – schon am Abend des ersten Tages. Wir verbrachten die restliche Zeit damit unser Werk zu Verzieren und bewunderten die anderen im Entstehen befindlichen Öfen.
Nun ging es in die heiße Phase. Wir versuchten unseren Ofen wie gewohnt zu betreiben. Um den Ofen zu trocknen, heizten wir ihn mit Holz vor. Gleichzeitig rösteten wir ca. 40kg uns unbekanntes Eisenerz aus der Gegend um den Sachsenhof.
Jetzt stand dem Eisenkochen nichts mehr im Wege. Die Ofenbrust wurde geschlossen und das Gebläse aktiviert. Nun füllten wir ca. 10kg Holzkohle in den Ofen und begannen mit der Erzzugabe im Gewichtsverhältnis 2 Teile Holzkohle 1 Teil Erz und stellten die Temperatur mit der Luftmenge auf ca. 1200 Grad wie gewohnt ein. Wir rechneten mit einem guten Schmelzergebnis.
Doch es sollte anders kommen. Nach einiger Zeit stand die Schlacke schon bis zur Düse. Dies kam zwar schneller als erwartet, war aber an sich nichts Ungewöhnliches. Wir erhöhten die Temperatur ein wenig um die Schlacke heißer und dünnflüssiger zu machen, damit sie in den unteren Bereich des Ofens abfließen kann. Dieser Vorgang funktionierte leider nicht, deshalb mussten wir einen Schlackenabstich vornehmen. Die Schlacke floss heraus, ging aber von der Düse nicht weg. So erhöhten wir die Temperatur noch mehr, was sich schon bald als Fehler erwies. Wir erreichten damit leider genau das Gegenteil. Die Schlacke begann heftig zu schäumen, sodass wir die Düse nicht mehr frei bekamen. Nach längerem hin und her beschlossen wir den Schmelzprozess zu beenden und das entstandenen Eisen rauszuholen.
Zum Vorschein kam ein großer Klumpen, der allerdings beim ersten Schmiedeversuch in viele kleine Stücke zerbrach, was uns doch ein wenig enttäuschte. Nach dem Abkühlen sammelten wir die Bruchstücke zusammen und Gerhard gelang es nach ca. 45 Minuten Frischarbeit die größeren Stücke zu verschweißen. Er fertigte einen kleinen Barren und eine Pfeilspitze, die von hervorragender Eisenqualität waren.
Es war uns also gelungen Eisen zu erzeugen. Von der Menge durchaus das was wir uns erwartet hatten. Die Eisenqualität entsprach aus ungeklärter Ursache (Analysen sind noch ausständig, Phosphor – und Kohlenstoffgehalt?) eher Gusseisen als Schmiedeeisen.
Unsere Erkenntnisse aus diesem Versuch waren, daß unsere Erfahrungen nicht auf jedes Erz anzuwenden sind und daß mit Frischen und Schweißen aus schlechtem Eisen gutes schmiedbares Eisen hergestellt werden kann.
Das Team Germanisches Gehöft Elsarn
Matthias Zwissler, Roman Landes
Rennfeuer am Sachsenhof am 18.09.2004
Ofentyp: siehe „Rezept“
Erz: Raseneisenerz aus Friesoythe
Kohle: Retorten Holzkohle
Luft: Elektrogebläse, gedrosselt auf 200 Liter pro Minute
Düse: Keramikrohr (MgO) 38 mm Durchmesser
Dauer: 12 Stunden mit Gebläse, dann 11 Stunden mit Eigenzug
Rennöfner: Matthias Zwissler, Roman Landes
Erzvorbereitung: Erz im Lagerfeuer geröstet, anschließend gepocht, abgesiebt
Siebweite 2mm und mit Magnet abgeschieden
Eingesetzte Erzmenge: 20kg
Eingesetzte Kohlenmenge: 60 kg
Ofentemperatur: ca. 1200 °C
Luppe
Masse: 3,2kg
Form: Bohnenförmig, sehr dicht auf der Blasform Seite, wenig Einschlüsse von FeO
Keine Holzkohleneinschlüsse (siehe Dauer)
Zusammensetzung: Vermutlich wenig Kohlenstoff (Funkenprobe)
Wahrscheinlich hoher Phosphorgehalt (Lagerstätte)
Wahrscheinlich hoher Schwefelgehalt (abschrecken in Wasser
erzeugt Schwefelwasserstoff)
Konsistenz: direkt verschmiedbar
Team Sachsenhof Greven
<
Ergebnisse Rennofenversuch 13 am 18.09.04
Ort: Sachsenhof Greven
Ofentyp: Espevej 2
Erz: Raseneisenerz Friesoythe
Brennstoff: Grillholzkohle
Belüftung: Blasebälge
Teilnehmer: Hermann–Josef Drexler, Bernhard Reepen, Matthias Brink, Arne Reepen,
Carlo Waltermann,
Wetter: sonnig u. heiß
Der Ofen wurde um 8:00 Uhr angezündet und zunächst mit Holz vorgeheizt. Da er noch recht nass war wurden dann insgesamt 27 Kg Holzkohle zum vorheizen benötigt.
Um 10:00 erfolgte der erste Erzgang. Zunächst wurde ein Verhältnis von 1,5 kg Erz zu 2,0 kg Kohle gefahren. Der Ofen lief sehr gleichmäßig sodass im 15 Minutenrhythmus ein Erzgang erfolgen konnte. Der Temperaturverlauf war sehr gleichmäßig und konnte problemlos gesteu-ert werden. Um 12:15 Uhr konnte die Sandisolierung beseitigt und die untere Ofenklappe geöffnet werden. Der Schlackefluss lies sich durch die Ofenklappe gut beobachtet und die erstarrte Schlacke konnte gut aus geräumt werden. Um 14:15 wurde der Erzanteil pro Ofen-gang erhöht. Wir gaben nun 2,0 kg Erz auf 2,0 kg Kohle zu. Der Rhythmus der Erzgänge ver-langsamte sich dadurch auf etwa 30 Minuten. Der Ofen lief aber weiterhin gleichmäßig und problemlos. Um 18:45 Uhr erfolgte der letzte Erzgang. Es wurde nur noch Kohle nachgefüllt. Um 19:45 Uhr wurde die Belüftung eingestellt und der Ofen brannte im Selbstzug herunter.
Gegen 22:40 erfolgte die Öffnung des Ofens. Es hatte sich eine große Luppe an der Ofen-klappe gebildet. Sie konnte problemlos entnommen werden. Ein sofortiges Vorschmieden erfolgte auf einem Holzklotz (gute Idee der Kollegen aus Eindhoven). Die Luppe bleibt dabei auf Temperatur und liegt sicher ohne wegzurollen. Die Hammerschläge erfolgen auch wei-cher.
Verwendete Materialien:
Raseneisenerz: 38 kg
Holzkohle: 46 kg + 27 kg zum vorheizen
Holz: nicht gewogen
Erz / Holzkohleverhältnis 0,8/1 + Vorheizkohl
Kleinteiliges Eisen: nicht gewogen
Luppe: (direkt vorgeschmiedet) 3120 g
Das Eisen wurde weiterverschmiedet und zeigte eine gute Qualität (Schmiede: Jan Henrik Berger u. Jens Eichler)
Eine Luppenhälfte wurde belassen (1500 g)
Die andere Hälfte wurde zu einem Spitzbarren weitergeschmiedet und mehrfach gefaltet (440 g).
Der Spitzbarren wurde geteilt (170g blieben Barren) und zu einem Messer weiterverschmie-det.
Messer nach dem Schleifen 114 g +Härteproben 20 g
Messer mit Griff versehen. Die Klinge ist teilweise geätzt. dadurch sind die verschiedenen Eisenschichten gut erkennbar.
<Ergebnisse Rennofenversuch 14 am 19.09.04
Ort: Sachsenhof Greven
Ofentyp: Espevej 1
Erz: Raseneisenerz Hörstel (geröstet)
Brennstoff: Grillholzkohle
Belüftung: Blasebälge
Teilnehmer: (Lehrlingsversuch) Matthias Brink, Arne Reepen,
Carlo Waltermann, Bernhard Reepen,
Wetter: sehr sonnig u. heiß
Der Ofen wurde von 8:00 bis 10:00 angeheizt. Der erste Erzgang erfolgte um 10:00 Uhr.
Es wurde zunächst ein Holzkohle / Erz Verhältnis von 2 kg Kohle auf 1,5 kg Erz gefahren. Ab 14:15 wurde das Verhältnis auf 2 kg zu 2kg Erz verändert. Der Ofen wurde über die ge-samte Laufzeit von 10:00 Stunden (ab 1.Erzgang), von den Lehrlingen sehr gleichmäßig gefahren. Zunächst erfolgte ca. alle 15 Minuten ein Erzgang. Nach Erhöhung des Erzanteil verlangsamte sich die Zugabe auf ca. alle 30 Minuten. Die Temperatur im vorderen Düsenbe-reich wurde konstant zwischen 1000°C und 1200°C gehalten. Nach dem letzten Erzgang um 18:45 Uhr wurde nur noch Kokle zugegeben . Eine Belüftung erfolgte bis 19:35 Uhr.
Um 20:00 wurde der Ofen geöffnet und die Luppe entnommen. Sie wurde nicht vorgeschmie-det. Eine Nachsuche am nächsten Tag erbrachte noch viel kleinstückiges Eisen.
Luppe: ½ 1150 g + ½ 450 g = ges. 1610 g massives Eisen u. Lamelleneisen
Kleinteiliges Eisen nicht gewogen

Luppe 1 ungeschmiedet und geteilt

Luppe 2 ungeschmiedet und geteilt
B. Reepen