Dem
Heimatverein Greven ist es in enger Zusammenarbeit mit dem
Stadtarchiv Greven und der finanziellen Hilfe der
Sparkasse und der
Volksbank gelungen, eine umfangreiche Sammlung von weit mehr als 600 Feldpost-Postkarten und 25 Feldpost-Briefen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges aus privater Hand zu kaufen und damit für die historische Forschung Grevens zu erhalten.
Aufgrund des Entstehungszusammenhangs und der Zahl der Briefe und Karten handelt es sich um eine für Greven sehr wertvolle Sammlung, die insbesondere für die Sozialgeschichte des 1. Weltkrieges von großer lokalgeschichtlicher Bedeutung ist.

Dr. Stefan Schröder (StaG): „Eine mulitperspektivische Betrachtung des Krieges hat die frühere Spezialisierung abgelöst. Stichworte heute sind auch ‚Kriegskultur’, ‚Kriegserfahrung’, ‚Kriegsalltag’ und ‚Kriegsdeutung’. Damit sind die Kriegsjahre auch im Erleben der Menschen in der Heimat für die Forschung bedeutsam geworden.“
Denn bei den Postkarten und Briefen handelt es sich um Dokumente, die 1914/1915 von aus Greven stammenden Frontsoldaten an den Kriegerverein Greven bzw. an den Militärverein Greven geschickt wurden. Dies stand offenbar im Zusammenhang mit einer Versendung von „Liebesgaben“ (Päckchen mit Nahrungs- und Genussmitteln) an diese Soldaten, verbunden mit der Bitte, sich per Feldpost zu melden.
Der bisherige Eigentümer dieser Feldpost-Postkarten und -Briefe hatte diese Sammlung erst seit 1997 als Depositum im Stadtarchiv Greven untergebracht, jetzt sollte sie verkauft werden. Damit wäre die Sammlung sehr wahrscheinlich von auswärtigen Sammlern angekauft worden, nicht mehr öffentlich zugänglich gewesen und im schlimmsten Fall bei Weiterverkauf von Einzelstücken durch Dritte völlig aufgelöst worden.
Deshalb war hier entschlossenes Eingreifen dringend geboten, um diese Sammlung als Ganzes und ungeteilt in Greven zu behalten.
Hans-Dieter Bez, der Vorsitzende des Heimatvereins Greven, fand bei den Vorstandsmitgliedern der Sparkasse und der Volksbank deshalb auch sehr schnell Zustimmung dafür, dass hier ein Zugreifen, also ein Kauf, dringend erforderlich war.
Inzwischen befindet sich die Sammlung dieser Briefe und Postkarten, wie verabredet, wieder per Depositalvertrag (Depositum 38) als Dauerleihgabe des Heimatvereins Greven im Stadtarchiv Greven. Es ist keine Frage, alle Beteiligten sind sehr glücklich darüber.
Damit war für das Stadtarchiv Greven, wie Dr. Stefan Schröder betont, auch die Voraussetzung dafür gegeben, einen größeren Aufwand bei der Restauration, der Lagerung und dem Verzeichnis dieser Briefe und Karten zu betreiben. So wurden stockige und verschmutzte Karten recht aufwändig gereinigt. Und nach ihrer sorgfältigen Unterbringung in Pergaminhüllen erfolgte dann die Einzelstückverzeichnung, die bei verschiedenen Karten allerdings inhaltlich noch zu ergänzen ist.
Als Optimum der EDV-Verzeichnung, die im Juli 2003 begonnen wurde, kann eine Forschung mit Hilfe dieser Sammlung erleichtert werden durch jetzt mögliche Rückgriffe auf verschiedene Suchkriterien, wie z.B. auf die Postkarten-Motive, den Absender, den Absendeort und das Absendedatum und inhaltliche Besonderheiten.
Dr. Stefan Schröder: „Gerade hier unterscheidet sich der Feldpostkartenbestand im Stadtarchiv Greven von den zahlreichen Feldpostkarten und –briefen, die auf jedem größeren Flohmarkt zu finden sind: Denn wir können die Schreiber der Briefe identifizieren und mit ein wenig Aufwand ihre Lebensverhältnisse (Konfession, Beruf, Geburtsjahr etc.) herausfinden. Und erst mit diesem Kontext erhalten sie den für seriöse Forschung nötigen Quellenwert.“
Und was ist inhaltlich auf den Feldpostkarten zu finden? Vor allem sind es Dankesworte für das erhaltene Päckchen bzw. für seinen Inhalt. Andere Karten enthalten zeitübliche Wendungen wie „Mit Gott für Kaiser und Vaterland“ oder „treue Pflichterfüllung fürs Vaterland“ und nur wenige konkrete Informationen. Aber man findet auf ihnen auch realistische Schilderungen des Krieges und sogar Informationen zu Grevener Soldaten.