Heimathaus Alte Post
Alte Münsterstraße 8
48268 Greven

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Freilichtmuseum Sachsenhof

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Der Sachsenhof in Pentrup

Der Sachsenhof in Greven-Pentrup ist eine Rekonstruktion einer 1200 Jahre alten frümittelalterlichen sächsischen Hofanlage mit Anbauversuchen von Kulturpflanzen und Ackerwildkräutern aus jener Zeit.

Das Freilichtmuseum Sachsenhof in Greven-Pentrup

1973 begann das Westfälische Museum für Archäologie Münster mit Ausgrabungen in dem Sandabbaugebiet Münster-Gittrup. An dieser Stelle fanden sich nicht nur Spuren frühmittelalterlichen, sondern auch älteren urgeschichtlichen Lebens, die von eiszeitlichen Neandertalern, die Jäger und Sammler waren, über die jungsteinzeitliche, Ackerbau betreibende Bevölkerung (Gräber der Trichterbecherkultur) bis zum Menschen der vorrömischen Eisenzeit (großer Urnenfriedhof) reichen. Um die Bedeutung der archäologischen Untersuchungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse auch Besuchern schon während der laufenden Grabungen verständlich zu machen, wurde 1983 mit der Rekonstruktion eines frühmittelalterlichen Sächsischen Hofplatzes aus dem 6. – 8. Jhd. n. Chr. In unmittelbarer Nähe der Ausgrabungsfläche begonnen.

Der Heimatverein Greven 1982 e. V. hat im Jahr 1987 das Haupthaus aus Gittrup wegen des dort auslaufenden Pachtvertrages übernommen, vor Ort abgetragen und danach zusammen mit der Stadt Greven sowie dem Amt für Bodendenkmalpflege, Münster, in Greven-Pentrup am Hochufer der Ems wieder aufgebaut. Ungefähr 1 km südlich dieses neuen Standortes wurden in der Bauerschaft Wentrup 1987 bei Entsandungsarbeiten ebenfalls Gebäudespuren und Gebrauchsgegenstände sächsischer Bauern entdeckt.

Seit dem Frühjahr 1988 entstand nach den Originalbefunden der Ausgrabung in Gittrup diese sächsische Hofstelle in unmittelbarer Nähe der Ems. Diese Befunde waren dunkle Verfärbungen im Boden, die die Spuren ehemaliger Pfosten anzeigten.

Eigentümer dieser Anlage ist die Stadt Greven und Betreiber der Heimatverein Greven, insbesondere der Arbeitskreis Sachsenhof. Die wissenschaftliche Leitung hat das Amt für Bodendenkmalpflege, Münster, übernommen.

Die Häuser

Im Mittelpunkt der Anlage steht das Haupthaus als Wohn- und Stallhaus. Dieses ca. 18m lange Pfostenhaus mit seinen schiffsförmig gebogenen Längswänden, schrägen Außenpfosten und seinem stützenfreien Innenraum ist charakteristisch für die Häuser der Sachsen im frühen Mittelalter. Die aus Weiden geflochtenen Wände sind mit einem Lehmputz versehen.

Das mit Reet gedeckte Walmdach ragt weit über die Wände hinaus, damit die zur Imprägnierung unten angebrannten Eichenpfosten und die Lehmwände nicht nass werden und damit länger halten.

Ein Grubenhaus, eine Scheune und ein Heuberg sind weitere Gebäude der Hofstelle, wie ja auch heute zu einem Bauernhaus mehrere Nebengebäude benötigt werden. Die bis zu 1m in die Erde eingetieften Grubenhäuser nutzten die Sachsen als Handwerkshäuser. Funde von Standspuren ehemaliger Webstühle sowie tönerne Webgewichte und Spinnwirtel zeigen, dass sie sehr oft der Textilherstellung dienten.

Die germanischen Volksrechte stellten diese Grubenhäuser schon unter ihren besonderen Schutz. Einige Grabungsfunde zeigen, dass sie wegen ihres wertvollen Inhaltes oft mit Schlössern gesichert waren.
Heuberge sind Vorratslager für Heu und Getreide mit senkrecht verschiebbaren Dächern. Sie konnten dadurch flexibel der jeweiligen Erntemenge angepasst werden.


Experimentelle Archäologie

Im Kohlenmeiler wird die für die Metallgewinnung und -verarbeitung benötigte Holzkohle erzeugt.

Handwerksstätten wie ein Töpferofen und ein Rennofen, die entsprechend archäologischen Befunden nachgebaut wurden, vervollständigen die Anlage, denn die Menschen dieser Zeit mussten sich bis auf wenige Ausnahmen mit allem für ihr Leben Notwendigen selbst versorgen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit am Sachsenhof ist sicherlich jedes Jahr wieder der Anbau von Nutz- und Kulturpflanzen im Garten und Feld sowie von Acker begleitenden Wildkräutern.

Im Bereich der experimentellen Archäologie wird an verschiedenen Projekten gearbeitet.

  • Im offenen Feldbrand oder in einem nach Grabungsbefunden nachgebauten fränkischen Töpferofen werden die zum damaligen Leben notwendigen Töpferwaren, Spinnwirtel und Perlen gebrannt.
  • Im Kohlenmeiler wird die Holzkohle erzeugt, die für die Metallgewinnung und -verarbeitung (Eisenverhüttung, Schmieden Bronzeguss) notwendig ist. In zahlreichen Versuchen werden Kenntnisse erarbeitet, wie man mit Hilfe der Rennofentechnik aus Raseneisenerz Eisen gewonnen hat, um damit Ackergeräte, Waffen und Schmuck herzustellen.

Der Bronzeguss, die Teerherstellung, die Speiseölgewinnung mit einer Keilpresse und das Drechseln mit einer Wippdrehbank vervollständigen die Aktivitäten auf dem Sachsenhof.

Kulturpflanzen des frühen Mittelalters

Ihre Siedlungen legten die frühmittelalterlichen Sachsen vorzugsweise auf hochwasserfreien, flussnahen Terrassen an. Das Vieh weidete vermutlich in den feuchten Flussauen, die Terrassenflächen in der Nähe der Höfe wurden ackerbaulich genutzt. Das Geländer der Hofstelle bietet Platz für einen Garten innerhalb der Einfriedigung nahe der Häuser und im nicht gesicherten Bereich für Felder. Nach Analyseergebnissen der Paläobotaniker der Universität Groningen (Niederlande) werden am Sachsenhof nun fürs frühe Mittelalter und die Zeit davor belegte Nutz- und Kulturpflanzen angebaut.

Im Garten finden sich Küchenkräuter, Medizinpflanzen und Färbepflanzen. Getreide und Hülsenfrüchte, die Grundlagen der damaligen Nahrung, Öl-, Stärke- und Faserpflanzen werden im Feldbereih angebaut. Im Wall wachsen für die Zeit belegte Heckenpflanzen, Obst- und sonstige Bäume.

Auf der Anlage wachsen auch aus dem mediterranen Raum stammende Pflanzen, die im späteren Frühmittelalter durch das Wirken der Klöster nach der Christianisierung des Landes Verbreitung finden (Capitlare de villis von Karl dem Großen).

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Flachsanbau zur Gewinnung der Textilfaser Leinen sowie der Anbau von Färbepflanzen zum Färben von Wolle und Leinen.
Beachtung findet vor allem der Färberwaid, der über Jahrhunderte die blaue Farbe für Textilien lieferte, bevor im 16. Jahrhundert der Indigo nach Europa kam.

Aktionstage

Der Aktionstag am Sachsenhof findet alljährlich im Juni statt.

Ziel der Anlage ist es, den Besuchern ein möglichst anschaulichen und lebensnahes Bild frühmittelalterlicher sächsischer Lebensweise zu vermitteln. An den jährlich stattfindenden Aktionstagen können die Besucher selbst erleben, wie die Menschen im 6. - 8. Jahrhundert nach Christus gelebt haben könnten und auch selbst handwerklich tätig werden.

Diese durch archäologische Funde für das frühe Mittelalter belegten Tätigkeiten aus den Bereichen Nahrung, Kleidung und häuslichem Handwerk können z. B. sein: Pflügen mit einem einfachen Hakenpflug, Mahlen von Getreide mit dem Mahlstein, Brotbacken, Flachsverarbeitung, Spinnen mit der Handspindel, Weben am Standwebstuhl im Grubenhaus, Färben von Wolle mit Pflanzenfarben, Töpfern, Drechseln und vieles mehr.

Die Besucher können sich auch außerhalb der Aktionstage an den jahreszeitlich bedingten Aktivitöten wie Aussaat und Ernte sowie der Pflege und Instandsetzung der Gebäude und Handwerksstätten beteiligen. Fachkundige Führungen oder Aktionen sind auf Anfrage jederzeit möglich.

Neugierig geworden?

Nutzen Sie diese einmalige Anlage für einen Ausflug per Rad oder PKW zusammen mit der ganzen Familie. Ihre Kinder und Ihre Familie können hier erlebnisreiche und spannende Stunden verbringen.
Schulklassen und andere Gruppen können den Sachsenhof auf Anfrage auch aktiv erleben. Nach einer theoretischen und praktischen Einführung erarbeiten die Teilnehmer, wie nach Pflügen und Dreschen aus Körnern mit Mahlsteinen Mehl gemahlen und daraus Brot gebacken wird. Außerdem wird getöpfert, mit Handspindeln gesponnen und auf einem nachgebauten Standwebstuhl gewebt. Diese Aktion dauert ca. 3 bis 3,5 Stunden.

Der Sachsenhof befindet sich in Greven, Pentruper Mersch.
Anfahrt ab Greven: B219 Richtung Saerbeck, bei der Gaststätte Tophoff der Beschilderung "Sachsenhof" folgen.
Radwanderer: Radwanderwege, EmsRadweg, 100-Schlösser-Route, F04, 67

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