Greven historisch - Heimatverein Greven

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Greven historisch

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Pfarrkirche St. Martinus - Geschichtsort seit dem 8. Jahrhundert
Greven - eine Stadt im Wandel der Zeiten

Greven im Mittelalter - vom Kirchzeilendorf zum Marktort
      
Auch wenn die Region schon seit rund 10.000 Jahren von Jägern und Sammlern besiedelt war und einzelne Höfe bereits in der Sachsenzeit entstanden, wurde erst im 8. Jahrhundert die befestigte fränkische Siedlung "Grevaon" angelegt; wahrscheinlich eine Neuansiedlung. Das ist durch die Lage der Grevener Urhöfe gut belegt. Aber erst um 900 wird die Bezeichnung "Grevaon" erstmalig im Werdener Urbar erwähnt. Damit wurde aber wohl eher die Gegend, als die bäuerliche Nachbarschaft beschrieben.

Neben der Sicherung von Handels- und Militärwegen spielte dabei auch die Missionierung der Region eine wichtige Rolle. Was in vielen geschichtlichen Rückblicken fehlt, ist die wesentliche Rolle der Meestheide in altsächsischer Zeit. Die Quellen schweigen sich darüber weitestgehend aus. Aber die Wegestruktur ist schon sehr auffällig.

Der heilige Liudger, erster Bischof von Münster, ließ der offiziellen Geschichtsschreibung zufolge hier 793 die Martinuskirche errichten. Die Martinuskirche ist aufgrund des Namenspatrons, aber auch wegen der Größe des Kirchspiels, eine Urpfarrei. Überliefert ist, das Liudger 793 das Missionsbistum in Münster gestiftet habe; er wurde allerdings erst 805 Bischof. Es ist also nicht genau bekannt, wann die Martinuskirche gegründet wurde. Wahrscheinlich nicht zeitgleich mit dem Bistum - möglicherweise zwischen 805 und 809. Joseph Prinz erwähnt darüber hinaus die Möglichkeit, dass es bereits eine Kirche gegeben haben könnte, bevor Liudger "Mimigernaford" gründete. Leider sind viele Aufzeichnungen über das frühe Bistum Münster zu Zeiten der Wiedertäufer für immer verloren gegangen.

Die Landwirtschaft bestimmte zunächst maßgeblich das Wirtschaftsleben. Doch bereits im Mittelalter machte sich die verkehrsgünstige Lage an bedeutenden Handelswegen bezahlt. Im 13. Jahrhundert wurde Greven zum Marktort erhoben. Zeitgleich wurde zum Schutz der Siedlung und des strategisch bedeutenden Emsübergangs die Burg Schöneflieth errichtet. Im ausgehenden Mittelalter büßte sie jedoch ihre Schutzfunktion ein und wurde im 19. Jahrhundert abgerissen.

16. und 17. Jahrhundert - Elend und Wiederaufbau

Ein Überfall niederländischer Reiter im Jahre 1589 auf den Grevener Markt war Vorbote dunkler Zeiten. Weiteres Elend brachte der 30jährige Krieg. Auch die Jahrzehnte danach standen im Zeichen von Not und Zerstörung. Fünf Feuersbrünste allein zwischen 1655 und 1683, Epidemien und Missernten brachten weiteres Elend. Dennoch ging das Dorfleben weiter. So entstand im 17. Jahrhundert am südlichen Ortsrand der "Hoek", ein "Ensemble" von Ackerbürgerhäusern.

18. und 19. Jahrhundert - Grevens Aufbruch ins Industriezeitalter

Lange Zeit hing die Entwicklung des Handels von den verfügbaren Wasserwegen ab. Eine wichtige Rolle spielte dabei vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein die Püntenschifffahrt. Die Emspünte - ein breitbordiger Lastkahn mit Besegelung, geringem Tiefgang und überschaubarer Größe - ziert daher das Grevener Stadtwappen. Von 1725 bis 1840 verkehrten darüber hinaus Lastkähne auf dem Max-Clemens-Kanal. Beide Transportwege litten jedoch zunehmend unter geringen Transportkapazitäten und schwierigen Wasserverhältnissen und verliefen schließlich buchstäblich "im Sande". Erst 1899 wurde mit der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals die Binnenschifffahrt in der Region neu belebt, die jedoch für den Standort Greven keine vergleichbare Bedeutung erlangte.

Stattdessen trat die Bahn ihren Siegeszug an. Begünstigt durch den Anschluss Grevens an das Eisenbahnnetz im Jahre 1856 entwickelte sich die Emsstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Standorte der münsterländischen Textilindustrie. Rund 100 Jahre lang dominierte dieser Gewerbezweig die Emsstadt. Den wirtschaftlichen Erfolg der "Textilbarone" belegen die gründerzeitlichen Villen, die bis heute die Innenstadt schmücken.

Greven im 20. Jahrhundert - eine Stadt wächst zusammen

Nach dem ersten Weltkrieg wandelten sich auch die Siedlungs- und Verwaltungsstrukturen des bis dahin größten münsterländischen Dorfes entscheidend. So wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionslagers 1925 die Siedlung Reckenfeld gegründet. Erste Siedler waren Bürger der nach dem ersten Weltkrieg an Polen gefallenen deutschen Ostgebiete.

Die Folgen von Nationalsozialismus und Krieg waren auch in Greven deutlich. Auch wenn die NSDAP hier bei Wahlen nur eine untergeordnete Rolle spielte, wurde in Greven ab 1933 der Einfluss demokratischer Kräfte und der katholischen Kirche zurückgedrängt. Jüdische Mitbürger und Zwangsarbeiter fielen auch in Greven dem braunen Terror zum Opfer.

Nach dem zweiten Weltkrieg fanden hier viele Flüchtlinge und Vertriebene aus ehemaligen deutschen Ostgebieten eine neue Heimat. Nach der Verleihung der Stadtrechte am 22. Januar 1950 wurde Greven bereits 1952 um die umliegenden Außengemeinden erweitert. Im Zuge der Gemeindereform 1975 wurde auch Gimbte dem Stadtgebiet von Greven zugeschlagen.

Greven heute - eine Stadt mit Perspektive

In den vergangenen Jahrzehnten wurde durch die Ansiedelung und Entwicklung neuer, meist mittelständischer Gewerbebetriebe und Dienstleister die industrielle Monokultur der Textilindustrie durchmischt. Dabei spielte die hervorragende Verkehrslage der Emsstadt mit dem Flughafen Münster/Osanabrück eine wichtige Rolle. Neue Gewerbeflächen am Flughafen wurden von den Städten Greven und Münster und dem Kreis Steinfurt gemeinsam erschlossen und vermarktet. Inzwischen ist die Emsstadt die nach Bevölkerungszahl drittgrößte Stadt im Kreis. Flächenmäßig rangiert Greven sogar auf Platz 2 im Kreis.



Quellen:
Greven - Porträt einer lebendigen Stadt; Hrsg. Greven Marketing
Greven an der Ems - Die Geschichte der Stadt und des Amtes Greven - von Joseph Prinz
Heimatverein Greven e.V.

Bildnachweis: Markus Ahlert, Herbert Runde
(c) Heimatverein Greven - 2022
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