|  Fachgruppe Plattdütsker Krink

Februar 2026

Zeitreise in die Flutkatastrophe: Grevener Heimatverein erinnert an das Ems-Hochwasser von 1946

Ursprünglich waren für das Treffen des Plattdütsken Krinks plattdeutsche „Vertellsels“ mit verteilten Rollen lesen vorgesehen. Doch ein besonderes Ereignis bedingte eine kurzfristige Programmänderung: Im Februar 1946 – also vor genau 80 Jahren – suchte das große Ems-Hochwasser das Münsterland heim und setzte weite Teile Grevens unter Wasser.
Im Bildarchiv des Heimatvereins Greven fanden sich beeindruckende Fotografien dieser Tage, die im Heimathaus eine lebhafte Diskussion entfachten. Während einige Gebäude und Straßenzüge auf den Bildern sofort erkannt wurden, rätselten die Teilnehmer bei anderen Aufnahmen gemeinsam über deren Standort. Zeitzeugen berichteten eindrucksvoll von Wasserständen, die im Niederort die Marke von 150 Zentimetern überschritten – eine Spur, die im Textilhaus Ahlert an den Rückseiten der Schaufenster sichtbar blieb.
Auch mit einem hartnäckigen Irrtum wurde aufgeräumt: Die vermeintliche Hochwassermarke an der Seite des Berlage-Hauses, die oft als Beleg für die Fluthöhe angeführt wird, entpuppte sich in der Diskussion als geodätische Setzungsmessmarke zur Überwachung von Höhenveränderungen.
Die Aufnahmen verdeutlichten das Ausmaß der Katastrophe: Riesige Wasserflächen erstreckten sich bis weit in den Ort. „Land unter“ hieß es im Niederort und in der Fabrik Anton Cramer; das Wasser stand bis zum Gertrudenstift. Auch die Kapellen-, Friedens- und Schützenstraße waren betroffen, wie die Anwesenden aus erster Hand berichten konnten.
Der Hochwasserschutz wurde daraufhin großgeschrieben. Der Deichbau, der als direkte Reaktion kurz nach der Flut begann, wurde erst 1953 fertiggestellt. Ehemalige Schüler erinnerten sich noch gut an die feierliche Einweihung, bei der sie zur Erinnerung Bäume pflanzten.
Bemerkenswert: Die gesamte Debatte wurde überwiegend auf Plattdeutsch geführt. Auch wenn im Eifer des Erzählens immer wieder ins Hochdeutsche gewechselt wurde, tat dies der Atmosphäre keinen Abbruch. Ergänzt wurde der Nachmittag durch das beliebte Ratespiel um plattdeutsche Begriffe von Willem Beuning sowie musikalische Einlagen von Heinz Battling am Akkordeon.
Nach dem gemeinsamen Singen des „Graiwsken Heemaot-Leed“ endete ein Nachmittag, der Geschichte lebendig werden ließ.

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